EMOSOL Emotionsregimes und Solidarität in der Interaktionsarbeit

Zeitraum: 01.04.2020 - 31.03.2022
Projektleiter: Prof. Dr. Sigrid Betzelt (HWR Berlin) und Prof. Dr. Ingo Bode (Universität Kassel)

Finanziert durch die Hans Böckler Stiftung.

Inhalt

Das Projekt untersucht fallstudienbasiert in Organisationen der Pflege und der Weiterbildungsbranche das Verhältnis von emotionalem Druck und Solidaritätshaltungen, mit einem Fokus auf organisationsin- und extern generierte objektive Unsicherheiten sowie ihre subjektive Verarbeitung bei Beschäftigten, auch im Rahmen der Interaktion mit Nutzergruppen.

Das Forschungsvorhaben adressiert Dynamiken der zeitgenössischen Arbeitsgesellschaft (z.B. Prekarisierung, Ökonomisierung, „gute Arbeit“) einerseits und Debatten um einen schwindenden sozialen Zusammenhalt andererseits. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Arbeitsorganisationen gesellschaftliche Orte sind, an denen heute verstärkt emotionaler Druck ausagiert werden muss – besonders dort, wo es um wohlfahrtsstaatlich regulierte personenbezogene Dienste geht. Ein hoher Wettbewerbs- und Qualitäts(bewertungs)druck sowie neue Formen managerieller Steuerung stiften objektiv Unsicherheit; deren subjektive Verarbeitung ist spannungsgeladen (z.B. Burnout bei Beschäftigten, Misstrauen bei Klient_innen) und verweist auf die Ausbildung eines neues „Emotionsregimes“ in den entsprechenden Arbeitskontexten. Beobachtet werden zugleich die Zunahme von Angst- und/oder Frustrationsgefühlen in Teilen der Bevölkerung sowie Dynamiken der Ent- und Resolidarisierung. Hier bestehen mögliche Zusammenhänge.

Eine Grundannahme besteht darin, dass in den zwei Untersuchungsfeldern in den Beziehungen zwischen Organisation und Umwelt sowie im Verhältnis zwischen Management und Beschäftigten produzierte Unsicherheiten emotionalen Druck auslösen. Gefragt wird danach, inwiefern diese Unsicherheiten und ihre subjektive Verarbeitung in ein neues Emotionsregime führen und wie dieses mit Solidaritätshaltungen zusammenhängt, die Beschäftigte im Hinblick auf Nutzer_innen, Kolleg_innen und das Gemeinwesen allgemein entwickeln. Angenommen wird, dass Angst- und/oder Frustrationsgefühle die genannten Arbeitskontexte durchdringen und das Denken über Solidarität bzw. solidarische Praxis (unterschiedlich) beeinflussen können. Angestrebt werden zudem Erkenntnisgewinne zu Möglichkeiten, emotionale Belastungen am Arbeitsplatz zu verringern.

Den Kern des qualitativ ausgerichteten Projekts bilden Organisations­fallstudien in den Zukunftsfeldern stationäre Pflege und (öffentlich geförderte) berufliche Weiterbildung. Durchgeführt werden embedded case studies mit insgesamt vier Organisationen in zwei Großstädten. Gearbeitet wird mit jeweils drei Datenquellen (Dokumente, halbstrukturierte Interviews, Fokusgruppen), die ergänzt werden durch Gespräche mit Expert_innen aus überbetrieblichen Arbeitszusammenhängen. Die Auswertungen sind hermeneutisch orientiert, mit Blick auf Potenziale für eine theoretische Generalisierung der Befunde.

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